Inhaltsangabe der interessantenTexte und Interviews
(auch hier bitte wieder durchscrollen oder den roten Link drücken)

1. Interview mit Michael Scholz Abgedruckt in der deutschen Zeitung "Connection" 4/2006
2. Zwei Artikel von Bjørn Leimbach Politik gegen Männer / Kindheit mit Risiken
3. Interview mit Zdenek Weber Abgedruckt in der tschechischen Zeitung "Regena" 4/2005
4. Ein Artikel von Astrid v. Friesen Die Folgen des Feminismus für Männer, Frauen und Kinder
5. Ein Artikel von
Prof. Dr. med. Lothar Weißbach
Der Mann - eine bedrohte Art ? Zum Ausdrucken hier als pdf


1. Interview mit Michael Scholz:

Interviewer Michael Scholz:
"Mann sein" überhaupt zu thematisieren, wirkt auf mich bereits sehr weiblich. Wissen heutige Männer denn nicht mehr, wo es langgeht?

Thomas Greiner:
Das stimmt, es ist ein weibliches Bedürfnis über sich selbst nachzudenken und eigene Gefühle zu reflektieren. Die heutigen Männer denken schon, sie wüßten wo es langgeht, werden sich aber immer unsicherer. Die Frage, die viele Männer beschäftigt ist: Wieviel Weiblichkeit darf bzw. muß ein Mann haben? Viele namhafte Zukunftsforscher gehen davon aus, daß auch in der Arbeitswelt verstärkt weibliche Qualitäten, wie zB. Teamfähigkeit und mehrschichtige, komplizierte Kommunikationsvorgänge, gefragt sein werden. Das hat ja schon begonnen. Sicher ist, daß das Männerbild im Wandel ist und das kreiiert Unsicherheit. Und Unsicherheit ist ein Gefühl, das Männer entweder hassen oder mindestens versuchen zu vermeiden, zu verdrängen.

Interviewer Michael Scholz:
Schaffen "echte Kerle" nicht einfach Tatsachen?

Thomas Greiner:
“Echter Kerl” ist heutzutage eher ein Schimpfwort geworden und deswegen gibt es immer weniger davon. Außerdem kommt diese Redewendung aus dem Wortschatz unserer Großväter, die noch wie Patriarchen in ihrer Familie geherrscht haben. Sie kümmerten sich wenig um die Belange der Frau. Danach kam die Gegenbewegung, Emanzipation und die Abwendung von den alten Werten. Diese Gegenbewegung brachte viele Männer hervor, die es der Frau recht machen wollten, die sogenannten feministischen Männer. Die neue Herausforderung ist nun nach den beiden Extremen: “Patriarch” (Macho) und “feministischer Mann” (Softie) einen Mittelweg zu finden.

Interviewer Michael Scholz:
Haben Männer überhaupt ein Bedürfnis, sich mit ihrem Selbstbild auseinanderzusetzen?

Thomas Greiner:
In der Regel fällt es Männern sehr schwer dies zu tun. Sie tun das meist in der Stille, wie in einem inneren Zwiegespräch und es erscheint Ihnen so gut wie unmöglich darüber zu sprechen. Meist geschieht diese Auseinandersetzung nur wenn Sie von äußerlichen oder innerlichen Krisen dazu gezwungen werden. Es gibt aber immer mehr Männer die sich auf diese Abenteuerreise begeben. Manchen Männern erscheint diese Auseinandersetzung abenteuerlicher als zB. den Himalaya zu besteigen. Beginnen tut dieser Prozess anfänglich in gemischten Selbsterfahrungsgruppen und das ist auch gut so. Die Bewußtheit und die Erkenntnis, daß mit der eigenen Männlichkeit etwas nicht stimmt und man sich mal nur mit Männern auseinandersetzen sollte, dämmert einem in der Regel erst nach vielen Jahren Selbsterfahrungsarbeit. So war das zumindest bei mir und vielen Männern die ich kenne.

Interviewer Michael Scholz:
Sie sprechen davon, dass sich männliche und weibliche Werte heute vermischt haben. Wie ist denn ihr Bild von einem weiblichen Mann?

Thomas Greiner:
Da muß ich ein wenig ausholen. Die Werte vermischen sich insofern, daß Männer unbewußt versuchen sich weibliche Eigenschaften anzueignen, weil sie vermuten, daß sie dann bessere Menschen wären. Ebenso versuchen die Frauen sich männliche Werte anzueignen um selbstständiger und unabhängiger zu sein. Grundsätzlich ist das ja eine wünschenswerte Entwicklung. Hinzu kommt aber, daß weltweit die Idee propagiert wird, daß Männer und Frauen gleich sind (gleiches Recht für alle...) und das kreiiert unglaubliche Verwirrung und auch Leid. Jeder der sich ein wenig mit dem Thema auseinandersetzt (zB in Beziehungen) merkt, daß Mann und Frau grundsätzlich sehr verschieden sind. Würde jemand behaupten Tag und Nacht wären gleich, würde jeder sich dagegen wehren. Das ist was ich meine mit Vermischung der Werte. Diese Vermischung hat erst dann Sinn, wenn man sich der Polarität bewußt ist, dh. für einen Mann die Wurzeln im Männerkreis zu haben. Und in dieser Polarität liegt die eigentliche Herausforderung.

Interviewer Michael Scholz:
Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, Männer können nur in der männlichen Steckdose Energie tanken, nicht in der weiblichen?

Thomas Greiner:
Ich finde es wichtig, daß Männer das weibliche Terrain erforschen und daß Frauen die männlichen Eigenschaften erforschen, aber das Unglück nimmt dann seinen Lauf, sobald ein Mann versucht eine Frau zu sein und eine Frau versucht ein Mann zu sein. Wenn ich mir zB. als Mann der Polarität bewußt bin, dann weiß ich auch wo ich hingehöre. Dann steht die Ahnenreihe der männlichen Linie hinter mir und stärkt meinen Rücken, wie Hellinger das ausdrückt. Energietanken in dieser Steckdose ist sehr einfach und erfolgreich wenn man es einmal gelernt hat. Versucht ein Mann sich in der weiblichen Steckdose aufzuladen, dann verliert er sich selbst, dann verachtet er in der Regel seinen Vater und ist auf die Seite der Mutter gewechselt. Er versucht es recht zu machen, verleugnet sich selbst und erschöpft sich endlos dabei. Er verliert die Fähigkeit Kraft zu tanken in der männlichen Steckdose. Dasselbe gilt auch für die Frauen, die es dem Vater rechtmachen wollen und ihre Mutter ablehnen.

Interviewer Michael Scholz:
Bei Naturvölkern hat eine männliche Initiation eine immense Bedeutung. Fehlt in der sogenannten zivilisierten Welt so etwas?

Thomas Greiner:
Ja, absolut. Alle Kulturen und seien sie noch so primitiv, hatten Initiationsrituale. Die Initiation markiert den bewußten Übergang vom Kind-Sein zum Mann-Sein und dessen feierliche Anerkennung von der Gemeinschaft in der sie leben. Die heranwachsenden Jungen werden heutzutage meist allein gelassen mit ihren Initiationsprüfungen und die Anerkennung der Gemeinschaft bleibt ihnen oft vorenthalten. Das kann in bestimmten Ritualen nachgeholt werden.

Interviewer Michael Scholz:
Wie könnte dieses Ritual aussehen?

Thomas Greiner:
In der Literatur, teilweise auch in Filmen bekommt man einen Geschmack davon. Es handelt sich immer um Mutproben. Das kindliche im Mann soll symbolisch sterben. Die Rituale sind allerdings immer geheim, denn sonst würden sie an Kraft verlieren.

Interviewer Michael Scholz:
Welche Rolle spielen dabei die Väter?

Thomas Greiner:
Die Väter sollten die Erziehung ihrer Söhne ab derVorpubertät in viele männliche Hände bzw. Mentoren (Paten) legen. Da der Sohn natürlicherweise mit dem Vater konkurriert und kämpft bzw. ihn ablehnt um sich von dem Elternhaus zu lösen, braucht der Sohn andere Männer in einer Männergemeinschaft. Der Vater tritt in den Hintergrund und wird teil des "Ältestenrates".

Interviewer Michael Scholz:
Was zeichnet Ihrer Ansicht und Erfahrung nach einen selbst verwirklichten, modernen Mann aus?

Thomas Greiner: 
Ein Mann muß gelernt haben die männliche Kraft zu leben; er muß gelernt haben für die "innere Frau" und das "innere Kind" da zu sein. Er muß Teil einer Männergemeinschaft sein und seinem Vater verzeihen können, noch besser gesagt er sollte ihn ehren und achten können. Dringend braucht er eine Vision und eine Berufung. Ein Mann ohne Vision ist wie ein Auto ohne Motor - vielleicht eine schöne Hülle, aber nutzlos. Erst die Vision gibt dem Mann ein Ziel vor, für das es sich lohnt seine Kraft einzusetzen und diese Vision kann man nur in den tieferen Schichten seines Seins finden. Da muß man schon einiges an innerer Arbeit investieren, bevor man in diese tiefen Schichten vordringen kann. Aber der Lohn ist immens, denn man findet seine Bestimmung - seine "Beruf"ung.

Interviewer Michael Scholz:
Kann dieser selbstverwirklichte Mann in der heutigen Gesellschaft, in der heutigen Berufswelt bestehen?

Thomas Greiner:
Keine Frage, er wird sehr gut bestehen können.




2. Männer, lasst euch nicht den Kopf verdrehen!

Immer noch werden aus politischen Gründen nicht haltbare Tatsachen und Lügen verbreitet. Wie z.B. Sebastian Schwistal in seiner Dissertation nachweist, belegen 300 weltweite wissenschaftliche Studien, dass häusliche Gewalt zu über 50% von Frauen ausgeht. Gemeint ist hier körperliche Gewaltanwendung! Und Kinder werden zu über 60% von Frauen und nicht von Männern körperlich misshandelt. Es ist unglaublich, dass das gesellschaftliche Bewusstsein immer noch nicht begriffen hat, dass die alten Klischees nicht mehr gelten. Die Formel "Mann = Täter" und "Frau = Opfer" stimmt einfach nicht mehr.

Im Familienrecht, wenn es z.B. um das Sorgerecht für die Kinder geht sind die Männer fast ausnahmslos die Verlierer.

Um es mal so radikal auszudrücken, wie ich es als Mann nicht darf, um nicht als Befürworter männlicher Gewalt darzustehen, zitiere ich eine Leitfigur des Feminismus: die Autorin Doris Lessing:

"Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird. Es ist Zeit, dass wir uns fragen, wer eigentlich diese Frauen sind, die ständig die Männer abwerten. Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren, und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun."
(rp-online.de sowie stern.de vom 14.8.01 Interview in „The Guardian“)

Oder Erin Pizzey, die Gründerin des vermutlich ersten Frauenhauses der Welt 1971 und langjährige Verfechterin der Erkenntnis, dass Frauen Männern im Bereich häuslicher Gewalt in nichts nachstehen, hat bereits vor Jahren ein Buch zu diesem Thema verfasst. "A Terrorist within the Family" ist ein Ratgeber für Männer, der aufzeigt, wie sie mögliche Gewalttäterinnen erkennen können und vermeiden, zum Opfer zu werden. Es beruht auf Einsichten aus Pizzeys 30-jähriger Tätigkeit auf diesem Gebiet und analysiert auch, welcher Typ Mann besonders gefährdet ist.

Quellen:
Schwithal, Bastian: Weibliche Gewalt in Partnerschaften, Oldenburg, 2004
Hoffmann, Arne: Häusliche Gewalt ist weiblich
Beck, Peter / Seebacher, Uwe G.: Rambo-Frauen, USP Publishing, 2005


Kindheit mit Risiken

Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70 Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten!

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht. Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen. Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms.

Wir hatten Freunde. Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns... Wie war das nur möglich? Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

Dies beiden Artikel sind der interessanten Homepage von Bjørn Leimbach entnommen:

www.maennlichkeit-leben.de




3. Interview mit Zdenek Weber:

Interviewer Zdenek Weber:
"Die Kraft der Männer", ein provokanter Titel. Glauben sie, daß Männer eine besondere Kraft haben?

Thomas Greiner:
Ja, das glaube ich nicht nur, sondern ich weiß es. Es ist nur so, daß es den meisten Männern nicht bewußt ist, welche Kräfte da in ihnen schlummern. Und selbst wenn Männer in Grenzsituationen mit dieser Kraft in Berührung kommen, dann ja meistens nur im negativen Sinn. Die Männer erfahren sich dann zB. als gewalttätig, unbeherrscht, sexbesessen, mißbrauchend und fangen an sich zu schämen, sich schuldig zu fühlen und ihre Kraft zu unterdrücken. Mir ist sehr wohl bewußt, daß diese Kräfte gefährlich und schwer zu beherrschen sind. Aber wenn ein männliches Wesen ein Mann werden will, muß er sich dieser Kraft stellen und sie lernen zu meistern, ansonsten bleibt er tief im Inneren ein kleiner Junge. Ein kleiner Junge, der so tut, als ob er ein Mann sei.

Interviewer Zdenek Weber:
Das kommt mir sehr bekannt vor. Solche Männer gibt es ja selbst in gehobenen Positionen in Politik und Wirtschaft.

Thomas Greiner:
Ja natürlich, und es ist auch schwer zu unterscheiden, ob ein Mann seine Kraft unterdrückt oder ob er sie meistert. Dabei ist das ein riesiger Unterschied. Das Schlimme daran ist, wenn diese männliche Kraft unterdrückt ist, dann hat der Mann eine gestörte Beziehung zu seinem Vater und zu Männern überhaupt. Ihm wird dann auch keine Achtung und kein Respekt entgegenbracht und er kann auch keine Achtung & Respekt vor sich selbst empfinden. Er kann höchstens Respekt von Anderen erzwingen, wenn er Macht hat, aber das ist entwürdigend.

Interviewer Zdenek Weber:
Hier in Tschechien scheint genau dies zu passieren. In fast jeder zweiten Fernsehwerbung macht ein Mann etwas falsch und es wird ein Witz über den Mann gemacht. Hat das ihrer Meinung nach mit dem fehlenden Respekt & Achtung zu tun?

Thomas Greiner:
Zum großen Teil bestimmt. Obwohl diese Tendenz weltweit zu beobachten ist, hat die Geschichte des tschechischen Mannes doch auch Eigenheiten. Wie ich von einigen tschechischen Männern schon erfahren habe, hat der tschechische Mann nie eine Chance gehabt seine Grenzen zu verteidigen. Tschechien war oft Kriegsschauplatz und hat lange in Unterdrückung gelebt. Natürlich hat es Vorteile, sich nicht mit einem stärkeren Gegner anzulegen, denn man rettet sein Leben und das der Frauen und Kinder. Aber der Nachteil ist, daß der tschechische Mann wahrscheinlich doppelt unter der Unterdrückung leiden mußte, denn erstens braucht die männliche Kraft Freiheit und Selbstbestimmung und zweitens entwickeln auch die Frauen und Kinder einen versteckten Vorwurf dem Mann & Vater gegenüber und haben es schwer männliche Werte zu respektieren.

Interviewer Zdenek Weber:
Und sie meinen, daß es auch weltweit eine ähnliche Tendenz gibt?

Thomas Greiner:
Ja, man kann es überall beobachten. Das Patriarchat ist unter Beschuß geraten - nicht zu Unrecht wie ich meine - die moderne, neuzeitliche Generation löst sich von den alten Werten der Weltkriegsgenerationen. In fast jeder Familie weltweit gibt es noch Wunden aus dem 2. Weltkrieg zu heilen. Zum ersten Mal in der neuzeitlichen Geschichte kann man sich den Luxus leisten das Althergebrachte in Frage zu stellen. So bildet sich jetzt nach und nach eine weltweite Männerbewegung die eine positive, leidenschaftlich empfundene Männlichkeit zum Ziel hat, die weg will von den Durchhalteparolen ihrer Väter und dem eigenen paralysierenden Selbstzweifel. Die Männer geraten unter Druck, weil die Frauen immer selbstständiger werden und den Mann in der Partnerschaft und im Beruf immer mehr herausfordern. Männer haben Probleme ihre Gefühle wahrzunehmen, geschweige denn sie zu äußern. Für Frauen ist das unbegreiflich. Männer entziehen sich Auseinandersetzungen indem sie sich entweder in die Arbeit, in Alkohol oder in den inneren Rückzug begeben. Und Männer üben viel Gewalt in Familien aus, gegen die Frauen, gegen die Kinder oder auch gegen sich selbst.

Interviewer Zdenek Weber:
Und wie können ihrer Meinung nach Männer diese positive, leidenschaftlich empfundene Männlichkeit erlernen?

Thomas Greiner:
Ein ganz wichtiger Teil dieses Lernens sind Männergruppen (Männergemeinschaften). Männer haben eine ganz andere Art Probleme im Alltag zu bewältigen als Frauen. Männer Fühlen, Denken und Handeln anders als Frauen. Gewisse Dynamiken in der männlichen Energie sind so anders, daß sie von Frauen überhaupt nicht verstanden werden können. Der wichtigste Teil ist, wieder Kontakt zu machen mit der Kraft des Mannes. Mit dieser gewaltigen Kraft umgehen zu lernen, das kann nur in einem geschützten Rahmen unter Männern gelernt und geübt werden. Die Männer müssen zuerst lernen mit sich selbst ins Reine zu kommen, dann erst können sie lernen ihre Arbeit, Familie, Freizeit & Freundschaften befriedigend zu gestalten. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch die Initation zum Mann und die damit verbundene Visionssuche.

Interviewer Zdenek Weber:
Das hört sich interessant an. Welche Rolle spielt die Initiation dabei?

Thomas Greiner:
Alle Kulturen und seien sie noch so primitiv, hatten Initiationsrituale für Männer und Frauen. Die Initiation markiert den bewußten Übergang vom Kind-Sein zum Mann-Sein und dessen feierliche Anerkennung von der Gemeinschaft in der sie leben. Die heranwachsenden Jungen werden heutzutage meist allein gelassen mit ihren Initiationsprüfungen und die Anerkennung der Gemeinschaft bleibt ihnen oft vorenthalten. Das kann in bestimmten Ritualen nachgeholt werden. Die Findung der eigenen Lebensvision ist dann der nächste Schritt in die Mann-werdung. Ein Mann ohne Vision ist wie ein Auto ohne Motor - vielleicht eine schöne Hülle, aber nutzlos. Erst die Vision gibt dem Mann ein Ziel vor, für das es sich lohnt seine Kraft einzusetzen und diese Vision kann man nur in den tieferen Schichten seines Seins finden. Da muß man schon einiges an innerer Arbeit investieren, bevor man in diese tiefen Schichten vordringen kann. Aber der Lohn ist immens, denn man findet seine "Be-stimmung" - seine "Beruf-ung".

Interviewer Zdenek Weber:
Ich danke Ihnen für dieses interessante und aufschlußreiche Gespräch.




4. Von flunschigen Frauen und devoten Männern


Die Folgen des Feminismus für Frauen, Männer und Kinder
Von Astrid von Friesen (18.09.2005)

Was ist los mit Männern und Frauen? Zickig, unzufrieden und klagend die eine Seite, devot, hilflos, schweigend dagegen der männliche Part. Gesellschaftliche Macht liegt - in der Tat - meist in den Händen von Männern. Sagen wir bei rund fünf Prozent. Die anderen 95 Prozent der Männer sind ebenso abhängig wie wir Frauen von dieser Macht.

Und erdulden, erleiden zudem die Macht der Frauen, deren Meinungshoheit in Sachen Gefühle und Kinder: "Ich fühle, also bin ich, also habe ich Recht." Sie sind ausgeliefert an die weibliche Interpretation der Menschenrechte, wenn es um die Kinder geht: Frauen verheimlichen den Vater, sie setzen Kuckuckskinder und damit Lügen in die Familien oder sie reproduzieren sich gleich eigenhändig bzw. verstoßen Männer aus den Familien. "Bürogamie", die neue Lebensform: Eine Frau, ein Kind und der Staat in Gestalt eines Bürokraten.

Deutsche Strafgefangene haben ein Recht auf Familienkontakte, viele deutsche Kinder weder auf Kontakte zu beiden Eltern noch allen Großeltern! Warum? Etliche der 68iger Sozialarbeiter und Familienrichter schleppen ihre Angst vor der eigenen omnipotenten Mutter mit ins Büro, so dass sie in hinterherhinkendem Gehorsam allen Müttern, die vor ihrem Schreibtisch das Blaue von Himmel herunterlügen, willfährig nachgeben. Zumal der nationalsozialistische Mythos der großen Mutter offenkundig noch in vielen Seelen herumwabert, völlig ungefiltert!

Die feministische (!) Schriftstellerin Susan Faludi nennt diese Männer-Generation das "betrogene Geschlecht". Männer, deren Väter und Großväter als Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg dazu verdammt waren, als 18-Jährige ihren Kopf hinzuhalten, sich tot oder kaputt schießen zu lassen, ihre Jugend auf dem Schlachtfeld, in der Gefangenschaft zu verbringen, hineingeworfen in die Schrecken von Blut, Vernichtung und Grauen.

Ihre Söhne erbten dieses Muster und wiederholen es, endlos: Stumm den Kopf hinzuhalten, um das Joch der Berufstätigkeit in einer nicht von ihnen eingerichteten Welt zu erfüllen. Klaglos, wie ihre Väter damals als Soldaten!

Die Hälfte des Himmels und aller Macht forderte die Frauenbewegung. O. k., so der Soziologe Gruner, dann aber bitte auch die Hälfte der Kanalreinigungs-, Müllmänner- und Bergarbeiterjobs und aller Nachtschichten. Auch die Retter von Tschernobyl hätten dann nicht zu 100 Prozent männlich sein müssen. Und die 24 am schlechtesten bezahlten Jobs in der USA sind ebenfalls Männern vorbehalten, es sind die so genannten Todesberufe. Auch Mordopfer sind zu 84 Prozent Männer. Kriege könnte man "Männertötungsveranstaltungen" nennen. Überdeutlich daran, dass amerikanische Soldatinnen, die sich zu Friedenszeiten zwar den gleichen Lohn erkämpften, jedoch im Krieg keineswegs an die vorderste Front müssen. Das Privileg, sich totschießen zu lassen, ist den Männern vorbehalten.

Die deutschen Kriegerwitwen, die ihre Kinder in den 40er Jahren alleine durchbrachten, wurden die Mütter der späteren Feministinnen. 5,25 Millionen Männer im besten "Mannesalter" waren im 2. Weltkrieg gefallen und hinterließen Millionen vaterloser Kinder. Diese Vaterlosen begannen in den 60er Jahren den Geschlechter-Weltkrieg. Teile der Frauenbewegung haben zudem die Sehnsucht nach dem Vater ideologisch in ihr Gegenteil verkehrt: Die Männer wurden - in einer hochkomplexen Verknotung aus Fiktion und Realität - verunglimpft, degradiert zur Verfügungsmasse zu Samen- und Geldspender, und einer ganzen Generation wurde die Idee der Vaterunzulänglichkeit eingeimpft. Doch dieses Experiment der väterfreien Erziehung ist weltweit gescheitert.

Ein Vaterverlust oder eine Vaterentbehrung aufgrund von Abwesenheit, von künstlichen Befruchtungen, Babyklappen oder anonymen Geburten bedeutet immer ein Trauma, mit Folgen für beide Geschlechter: psychische Ertaubung, Abstumpfung, eingefrorene Trauer und Bindungsverluste. In "Don't Come knocking" pointiert Wim Wenders diese quälende und ins Zerstörerische zielende Leere der vaterverlassenen Kinder!

Bei den Männern führte die Vaterentbehrung zum Identitätsverlust und tiefem Schweigen. Wo sind denn auch taffe männliche Vorbilder außerhalb der Gewaltvideos? Gerade wir Frauen erinnern noch den demütigenden Zustand: Wer keine Worte hat und nicht gehört wird, kann weder eine Identität geschweige denn Macht erlangen. Wie, um Himmelswillen, könnte es funktionieren, dass kleine Jungen im emotionalen Matriarchat eigene Worte finden und damit sich selbst und eine neue Definition ihrer Rollen? Jenseits der Kontrolle und Macht ihrer Mütter?

Kann es auch sein, dass durch die Verunglimpfung von männlichen Eigenschaften wie z. B. Durchsetzungs-kraft, Verantwortungsbewusstsein, Zielstrebigkeit, ein Verlust im Pädagogischen eintrat? Denn die Kuschelpädagogik hat seit den 70er Jahren in Westdeutschland zu einer Erziehungsleere geführt, nicht nur durch "Pisa" dokumentiert, sondern mehr noch durch ein erschreckendes Anwachsen nicht-zivilisierter Kinder und Jugendlicher!

Simone de Beauvoir, die Heldin der westdeutschen Frauenbewegung, forderte bereits 1968, dass "Mann und Frau jenseits ihrer natürlichen Differenzen rückhaltlos geschwisterlich zusammenfinden".
Möge es uns gelingen!


Astrid v. Friesen, Jahrgang 1953, ist Erziehungswissenschaftlerin, Journalistin und Autorin sowie Gestalt- und Trauma-Therapeutin in Dresden und Freiberg. Sie unterrichtet an der TU Bergakademie Freiberg und macht Lehrerfortbildung. Zwei ihrer letzten Bücher: "Der lange Abschied. Psychische Spätfolgen für die 2. Generation deutscher Vertriebener" (Psychosozialverlag 2000) sowie "Von Aggression bis Zärtlichkeit. Das Erziehungslexikon" (Kösel-Verlag 2003).


Quelle: www.dradio.de/dkultur/signale/417819




5. Der Mann - eine bedrohte Art?


Es scheint, dass aus der Krone der Schöpfung die Zacken brechen: Die Spezies Mann ist akut bedroht. Zum einen büßt sie ihre Zeugungsfähigkeit
ein. Durch große Studien ist belegt, dass die Spermiendichte stetig abnimmt - bei Männern in Europa um 3 Prozent pro Jahr. Das ist insofern nicht weiter schlimm, als Männer dank der modernen Fortpflanzungsmedizin entbehrlich geworden sind. Mütter sind immerhin zumindest leihweise vonnöten. Überhaupt drängt die moderne Entwicklung den Mann immer mehr an den Rand der Gesellschaft. Weibliche Dominanz allerorten: mit breiter Lobby und entsprechender Quote ziehen Frauen in alle Männerdomänen ein. Der Hamburger Hafenclub und die Freimaurer zählen zu den wenigen noch existierenden Mannerbiotopen. Gerade haben die Damen von Turbine Potsdam die Champions League gewonnen, aber die Bayern? Offenbar sind in einer Gesellschaft,die keine Mammuts mehr jagt, zum überleben Fähigkeiten gefragt, die auf dem verkümmerten Y-Chromosom keinen Platz gefunden haben.

Ungesundes Verhalten

Dass die Gefährdung der Manner nicht biologisch, sondern durch erlerntes Verhalten bedingt ist, davon zeugen Fakten. Die Lebenserwartung von Männern beträgt durchschnittlich fünf Jahre weniger als die der Frauen. In der sogenannten Klosterstudie aber konnte Marc Luy vom Vienna Institute of Demography an der Osterreichischen Akadernie der Wissenschaften zeigen, dass die Lebenszeit von Mönchen in der Abgeschiedenheit ihres Klosters im Schnitt nur ein Jahr unter der von Frauen liegt. Welche Einflüsse nehmen dem Mann außerhalb der Klostermauern die übrigen vier Jahre?

Auch da sprechen die Fakten für sich: Risikoverhalten ist männlich - vom Komasaufen, über Risikosportarten und Verkehrsunfälle bis hin zu Risikoberufen. Die weltweit häufigsten Todesursachen (Herzkreislauf-erkrankungen und Krebs) betreffen vor allem Männer. Selbst die typisch weiblichen Krankheitsbilder - Osteoporose und Depression - sind für Manner gefährlicher, denn es sterben mehr Männer als Frauen am Schenkelhalsbruch bzw. durch Selbstmord. Der Unterschied in der geschlechtsspezifischen Sterblichkeit tritt zwischen dem 17.und 23. Lebensjahr ein. Soll der Mann ähnlich viele Jahre erreichen wie die Frau, müssen wir bei den Jungen etwas verändern.

Unsere Gesellschaft gibt dem Mann eine Rolle, die ihn gefährdet.

Jungen wachsen heute in einem weiblichen Umfeld auf: Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen und Mütter - ein männliches Rollenvorbild erleben die meisten erst auf der weiterführenden Schule. Entsprechend weiblich ist auch der Wertekanon der frühen Erziehungsjahre: Lieb zu sein und still am Tisch zu sitzen ist gut, wild zu sein ist böse. Jungen erleben sich früh als Verlierer, weil ihre Fähigkeiten in diesem Kosmos nichts zählen. Nicht von ungefähr werden mehr als drei Viertel der ADHS-Diagnosen bei Jungen gestellt und medikamentös therapiert. Tom Sawyer, der den fremden Jungen erst mal verprügelt, bevor er mit ihm redet, gälte heute als verhaltensauffällig. So werden viele Krankenkarrieren bereits im Kindesalter angelegt. Gleichzeitig wird von Jungs männliches Verhalten erwartet. Tapfer sein, wenn man(n) sich weh tut, Widerstände (die man(n) reichlich erfährt) überwinden. Mädchen wollen schließlich keine Weicheier, sondern Kerle. Ständig werden heranwachsende Jungen konfrontiert rnit Heldenbildern - und die sind im Zeitalter der digitalen Bildbe- arbeitung gnadenlos nachretuschiert. Neben dem perfekten Körper transportieren diese Bilder das Ideal des gegen die eigenen Bedürfnisse rücksichtslosen, fur das Gute kämpfenden Mannes.

Kommen nur die Harten in den Garten?

Doch dieses steinzeitgemäße Männlichkeitsideal ist in der heutigen Zivilisation ungesund. Alle Fähigkeiten, die zum Erhalt der eigenen Gesundheit nötig waren, gelten als weiblich, - läppisch und uncool. 1m Begriff "Vorsorge" zum Beispiel steckt das Wort Sorge - und wird gleichgesetzt mit weiblicher Hysterie. Warum einen Arzt aufsuchen, wenn mir nichts fehlt? Und wenn mal was weh tut, gilt "Nur die Harten kommen in den Garten" oder "Ein Indianer kennt keinen Schmerz". Wenn Leiden, ohne mit der Wimper zu zucken, als Inbegriff der Männlichkeit gilt, hat die Gesundheit das Nachsehen. Dabei wäre es durchaus männlich, für sich
selbst Verantwortung zu übernehmen. Wenn Männer für ihre Gesundheit sensibilisiert werden sollen, muss die Gesellschaft früh damit anfangen.

Für die Jungen braucht es männliche Vorbilder, die Verantwortung für sich selbst als männlichen Wert transportieren.
Die Mitteilsamkeit männlicher Jugendlicher über sich bzw. die eigene Befindlichkeit gilt es zu fördern. Männer sollten sich frühzeitig - wie die Frau - ärztlich orientieren (U25- und U35-Untersuchungen) und später regelmäßig an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Dass Sport in seinen vielfältigen Varianten (Joggen, Walking, Radfahren, Schwimmen) jeden inner- und außerhalb des Fitness-Studios, allein oder in der Gruppe, mit oder ohne Leistungsorientierung physisch und psychisch jung hält, gilt auch für Männer. Gesundes Schul- und Kantinenessen sollte Jungen wie Mädchen schmecken.

Zu guter Letzt ist auch die Wissenschaft gefordert. Um Männergesundheit gezielt fördern zu können, sind alle Beteiligten auf Daten angewiesen. Doch über Männergesundheit ist bislang wenig bekannt: Die Gender- forschung ist weiblich besetzt und einen Gesundheitsbericht gibt es in unserem Land nur für Frauen.



Prof. Dr. med. Lothar Weißbach,
WissenschaftIicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit, Berlin

Professor Lothar Weißbach ist Urologe. Mitte der 80er jahre wurde er Leiter der urologischen Fachabteilung
des Urbankrankenhauses und übernahm ab 1988 die Verantwortung des gesamten Hauses. Die Berliner
Urologiegesellschaft wählte Professor Weißbach 1993zu ihrem Prasidenten. Für seine außerordentlichen wissenschaftlichen Verdienste erhielt er den "Ritter von Frisch-Preis" der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). Über viele jahre lang engagierte er sich zusatzlich in der Deutschen Krebsgesellschaft
(DKG),erst im Vorstand und später als ihr Präsident. Professor Weißbach leitete die EuromedClinic und wirkte in der Leitlinienkommission der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom mit. Heute ist er am MännerGesundheitsZentrum der Berliner MEOCLINIC tatig.


Quelle: DKV impulse 03/10